Aktivierende Befragung

Ziel der aktivierenden Befragung im QM-Gebiet Richardplatz Süd war es, die Wahrnehmung, Interessen und Bedürfnisse der dort lebenden Menschen zu erheben. Uns war es wichtig die Bedürfnisse der Anwohner*innen zu erkennen, diese aber auch gleichzeitig für die Belange stadt- und menschenfreundlicher Mobilität zu sensibilisieren. Die Vorteile von nachhaltigen Mobilitätsformen und mehr Rücksichtnahme gegenüber anderen Verkehrsteilnehmenden sollten gestärkt werden, damit schließlich auch Kinder befähigt werden, sicher und eigenständig Wege im Kiez zurücklegen zu können. Das Konzept, der Ablauf und die Ergebnisse wurden am 13. November vorgestellt.

Konzept

Das Konzept der Aktivierenden Befragung baut auf bereits durchgeführten Erhebungen des zu dem Zeitpunkt in Erstellung befindlichen Verkehrsgutachtens in Rixdorf und auf den Ergebnissen eines Projekts von Studierenden der Technischen Universität Berlin auf. Nach Erkenntnissen aus den beiden Analysen ist ein Fragenkatalog bzw. ein Gesprächsleitfaden entstanden. Im Vergleich zu den bereits durchgeführten Erhebungen, die auch auf qualitativen Befragungen beruhen und bei denen vor allem gezielt Expert*innen, Vertreter*innen der Bezirksverwaltung, Multiplikator*innen und ansässige Gewerbetreibende befragt wurden, stand hierbei eine tiefergehende Befragung der Anwohner*innen und regelmäßigen Nutzer*innen des Gebiets im Vordergrund. Darüber hinaus ist als Ziel die Grundgesamtheit von 200 Personen angesetzt, was die Anzahl der Befragten der bereits durchgeführten Erhebungen deutlich übersteigt. Im Rahmen von Projekttagen mit Kitas und Schulen werden darüber hinaus Kinder befragt und sensibilisiert.

Ablauf

Die Befragung wurde im Sommer 2018 – auf Kiezfesten und bei Kiezspaziergängen durchgeführt. Die Interviews wurden immer zu zweit mit Hilfe eines Fragebogens und einer Mindmap geführt.

Ergebnisse

Von den 200 befragten Personen haben 66% im QM Gebiet Richardplatz Süd gewohnt und 34% das Gebiet regelmäßig besucht. 50% waren weiblich und 49% männlich (1% keine Angabe). Davon waren 92 Personen gleichzeitig Eltern (46%) und 53% (n=106) hatten keine Kinder. Das Durchschnittsalter lag bei den weiblichen Personen bei 37 und bei den männlichen bei 39 Jahren. In überwiegender Zahl sind die Befragten mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs (über 50%). Um die 10% mit dem Auto, 10% multimodal und 10% mit dem ÖPNV (für die restlichen fehlen die Angaben).

Gemäß der Antworten wurden vier Typen gebildet:

Die Unsicheren fühlen sich von der Verkehrsplanung gar nicht berücksichtigt und sogar ungerecht behandelt. Daraus resultiert ein Unsicherheitsgefühl hinsichtlich der Verkehrsmittelnutzung sowie Angst vor der Umwelt. Sie haben wenig Vertrauen in ihre Mitmenschen und möchten gar vor den verkehrlichen Geschehnissen im Kiez flüchten.

Die Extremen haben sehr radikale Änderungswünsche geäußert. Sie wünschen sich häufigere Kontrollen durch das Ordnungsamt und die Polizei sowie härtere Strafen bei Verkehrsvergehen. Von ihnen nutzt der größte Teil den Umweltverbund, aber es gibt auch überzeugte Autofahrer*innen, die den Rückbau der Fahrradinfrastruktur befürworten.

Die Pessimisten sehen keine positive Zukunftsprognose für ihren Kiez und bezweifeln, dass Maßnahmen zur verkehrlichen Umgestaltung die Lebensqualität verbessern können. Ihnen fehlt die Motivation, ihre Verkehrsmittelwahl zu ändern, weil aus ihrer Sicht damit kein positiver Effekt erzielt werden kann. Dass infrastrukturelle Veränderungen einen nachhaltigen Prozess in Gang setzen können, erscheint ihnen unwahrscheinlich.

Die Ambivalenten zeichnen sich dadurch aus, dass sie die Verkehrssituation mit anderen Kiezen vergleichen und so als weniger gefährlich einschätzen als es durch eine alleinstehende Betrachtung der Fall wäre. Dennoch sind sie unzufrieden mit der Rücksichtslosigkeit vieler Verkehrsteilnehmer*innen. Diese Menschen fühlen sich sehr wohl in ihrem Kiez, besitzen aber ein starkes Bedürfnis nach verkehrlichen Verbesserungen.

Im Fazit wurden die Kiezlage und -gestalt grundsätzlich sehr positiv gesehen. Das gastronomische und kulturelle Angebot wurde häufig gelobt. Wenig positive Äußerungen gab es hingegen zur derzeitigen verkehrlichen Situation – häufig genannt wurden Unsicherheit durch Unübersichtlichkeit und Geschwindigkeitsüberschreitungen sowie Rücksichtslosigkeit. Viele der Befragten regten an, die Aufenthaltsqualität durch mehr Kontrollen zu erhöhen, Sicherheit durch bauliche Maßnahmen in Form von Verbesserung der Fahrradinfrastruktur (positiv für Radfahrende und zu Fuß Gehende) zu schaffen und über einen autofreien Kiez nachzudenken.

Workshop

Nach der Ergebnispräsentation wurden Ideen gesponnen, um die  Aufenthaltsqualität zu verbessern und die gegenseitige Rücksichtnahme zu stärken. Es wurden bauliche Vorschläge wie interaktive Tempokontrollen, „Langsam fahren“-Displays, Zebrastreifen und Bodenbremsen genannt. Radfahrende sollten angeregt werden, auf der Straße zu fahren – auch um den Autoverkehr zu verlangsamen. Als Kommunikationsmaßnahme wurde angedacht Kinder mit Sticker  oder Infoflyern auszustatten, um Autofahrenden vor der Schule und im Kiez auf ihr (Fehl-)verhalten anzusprechen.

Die Präsentation inkl. Ergebnisse des Workshops kann hier heruntergeladen werden. Poster mit den Ergebnissen findet ihr unter Downloads.